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Aktuelle Seite: Gänserndorf Hl. Schutzengel
NÖS-66
Stadt Gänserndorf

Zubau

Ernst Arthofer / Karl Burian

1959-1961

Bereits im 13. Jahrhundert wurde auf einer leichten Anhöhe eine kleine romanische Wehrkirche errichtet, und um 1400 ein gotischer Chor angebaut. Nach schweren Brandschäden Ende des 17. Jahrhunderts erhielt die Kirche im Zuge der Wiederherstellung neue Rundbogenfenster und eine barocke Innenausstattung.

Schon Anfang des 20. Jahrhunderts wurde eine Vergrößerung der Kirche für notwendig erachtet. Aber erst anlässlich der Stadterhebung von Gänserndorf im Jahr 1959 wurde das Vorhaben ausgeführt.

Von zwei vorliegenden Projekten wurde der Entwurf des Architektenteams Ernst Arthofer und Karl Burian ausgewählt: Für die Kirchenerweiterung wurde das Eingangsjoch der bestehenden Kirche abgerissen und stattdessen in der sachlich funktionalen Formensprache der 1960erJahre ein breiterer, rechteckiger Saalraum mit einem mächtigen, das Dach des Altbaus überragende Satteldach angefügt. An der linken Seitenwand ist eine lang gestreckte Kapelle angefügt. Ein großes Rundfenster an der schlichten Fassade stellt einen Bezug zum romanischen Ursprungsbau her. Der achteckige Turm mit dem hohem Spitzhelm blieb vom Vorgängerbau erhalten. Im markant geböschten Untergeschoss befand sich der Chor des Vorgängerbaus. Bei einem Teil des ehemaligen Langhauses wurde das Bruchsteinmauerwerk freigelegt und romanische bzw. frühgotische Blendfenster erinnern an die ersten Bauphasen im Mittelalter.

Im flachgedeckten Kircheninneren ist der alte Langhausteil als eingezogener rechteckiger Chor ausgebildet und durch die hoch liegenden Rundbogenfenster hell erleuchtet. Der angefügte Hauptraum erhielt große Buntglasfenster, die eine mystische Raumatmosphäre bewirken. Interessant ist, dass der Kapellenanbau an der linken Seitenwand im Inneren als Seitenschiff ausgebildet ist. Die Innenausstattung stammt großteils aus der Bauzeit. Das Kruzifix an der Altarwand wurde von Karl Nieschlag bereits 1953 geschaffen. Der Bildhauer folgte bei der Gestaltung der Christusfigur den jahrhundertelangen üblichen Darstellungen, brachte jedoch mit der zum Himmel gerichteten Kopfhaltung eine individuelle Interpretation ein. Im Jahr 2009 wurde im Chor der Scherbenherrgott von dem Künstler Briant Rokyta aufgestellt.

Insgesamt ist es dem Architektenteam gelungen, den modernen Zubau und den historischen Kirchenbau zu einem stimmigen Ganzen zusammenzufügen und mit einfachen Mitteln einen repräsentativen Neubau zu schaffen.

Im September 2018 wurde bei der Kirche der angeblich weltweit erste Park+Pray Platz eröffnet, um Autofahrern einen kurzen Kirchenbesuch zu ermöglichen.

Zur Pfarre Gänserndorf gehört auch die Emmauskirche, die in dem neu entstandenen Siedlungsgebiet Gänserndorf-Süd 1995 erbaut wurde.

Romanik
20. Jhd.