2640 Hartholzstraße 5a
1. Bauabschnitt: 1933-1934
2. Bauabschnitt: 1960-1962

Den Gläubigen in Gloggnitz stand nur die außerhalb des Ortes gelegene Schlosskapelle oder die kleine Marktkapelle am Hauptplatz zur Verfügung. Diese ungünstige Situation bewog Kardinal Piffl, der in der nahe gelegenen Burg Kranichberg seine Sommer verbrachte, den Pfarrer des Ortes zu beauftragen, einen Kirchenneubau in die Wege zu leiten.
Nachdem von der Gemeinde ein Grundstück zur Verfügung gestellt worden war, verfasste der Architekt Clemens Holzmeister 1927 die Pläne für einen monumentalen Kirchenbau. Die mit flüchtigen Kohlestiftstrichen hingeworfene Skizze zeigt einen ins Expressive gesteigerten Entwurf, mit dem es der Architekt „wagte, dem unentwegten Rationalismus [in der Architektur] das beschwingte Reich des Irrationalen entgegenzusetzen.“ (Armand Weiser, 1927). Holzmeister plante einen basilikalen Längsbau, dessen Seitenschiffe als Gänge verlängert sind, die einen halbrunden Vorplatz umfassen. In der Mitte dieses „Umganges“ erhebt sich ein schlanker Turm, der durch eine Brücke mit dem hoch aufragenden, mächtigen Chorturm verbunden ist.
1933 erfolgte die Grundsteinlegung, und da Kardinal Piffl inzwischen verstorben war, sollte der Bau als Kardinal-Piffl-Gedächtniskirche seinem Andenken gewidmet werden.
Nachdem der Chorturm mit dem Vorbau und den Kapellenanbauten im Rohbau vollendet war, führten allerdings finanzielle Probleme bereits ein Jahr später zur Einstellung des Baus.
Erst 1957 konnte an eine Fertigstellung der Kirche gedacht werden, und Holzmeister wurde aufgefordert, seine 30 Jahre alten Pläne zu überarbeiten und eine kleinere, weniger kostspielige Fassung herzustellen. Holzmeister behielt den dreischiffigen Grundriss bei, drehte ihn jedoch um 180 Grad und wandelte den ursprünglichen Chorturm zum Eingangsturm mit zu beiden Seiten angefügten Kapellen um. Der eingezogene Chor an der gegenüberliegenden Schmalseite ist von der Tauf- bzw. Sakramentskapelle flankiert, der Altarbereich durch Stufen erhöht. Die ursprünglich als Holzkonstruktion geplanten Flachdecke ersetzte Holzmeister durch ein Geflecht aus Betonbindern, die durch schmale Längstonnen verbunden sind. Mit seitlichen, der Dachschräge geschuldeten Einzügen auf die Breite des Chorbereichs erzielte er einen erhöhten Mittelteil des Hauptraumes. Die niederen Seitenschiffe sind durch einfache Betonpfeiler vom Hauptraum getrennt und erhielten Betonglasfenster, die in einer Kombination von Glas, Steinen, Bergkristall und Rosenquarz eine „Art Meditation der verklärten Natur bieten.“ (Herbert Muck, 1962)
Holzmeister betrachtete die bildende Kunst als wichtigen Teil seines Raumkonzepts, wobei er jedoch abstrakte Darstellungsweisen ausdrücklich ablehnte. „Es ist unvorstellbar, dass die Kirche auf das Instrument der optischen Vermittlung von Glaubensgeschichte und Belehrung – wofür sich nur eine figurative Darstellung anbietet – verzichte.“ (Holzmeister, 1962)
Holzmeister übertrug die Bildgestaltung des Hauptraumes dem Tiroler Künstler Richard K. Fischer, mit dem er häufig zusammenarbeitete. Fischer schuf an der Altarwand das monumentale, 8 x 5,5 Meter große Mosaik des Thronenden Christus und im Langhaus Tafelbilder, die Engel in feierlicher Prozession in Richtung Altar darstellen.
Die linke Turmkapelle wurde von dem Maler Giselbert Hocke mit Wandfresken als Meditationsraum „für die stille Betrachtung des Erlösungsgeheimnisses“ gestaltet. Er entwickelte in einem „erschütternden Zyklus im linken Raumteil die Passion Christi, im rechten die Passion der Getreuen unter dem Einfluss des Antichristen.“ (Herbert Muck, 1962)
In den 1960er Jahren wurden kontroverse Debatten über die Berechtigung abstrakter Kunst im Sakralbau geführt. Holzmeister vertrat dabei die Auffassung, dass sich „die belehrenden Gleichnisse, ermahnenden Beispiele und bewegenden Ereignisse aus den heiligen Schriften und Überlieferungen“ nicht in einer abstrakten Form allgemein verständlich darstellen ließe. Seine eher konservative Haltung spiegelte sich auch in seinem Kirchenentwurf wider: Trotz moderner Gestaltungselemente und Materialien orientierte er sich grundsätzlich an dem traditionellen Konzept eines Langhauses mit einer Einturmfassade.