3812 Gemeinde Groß-Siegharts
Weinern 1
1911
Der kleine Ort Weinern gehörte zur Herrschaft Weinern, die ihren Sitz im nahe gelegenen Schloss hatte. Die pfarrliche Betreuung erfolgte vom der rund 6km entfernten Marktgemeinde Raabs an der Taya, im Ort selbst gab es nur eine 1824 an die Volksschule angebaute „Betkapelle, die zwar gemauert aber in dem einfachsten Style erbaut ist“. (F. Schweickhardt, 1831)
Nachdem im Mai 1906 ein Blitzschlag die Kapelle schwer beschädigte und sie darüber hinaus den Anforderungen nicht mehr genügte, erhielt im Jahr 1911 der Wiener Stadtbaumeister Carl Steinhofer den Auftrag, für die rund 70 Bewohner des Ortes eine neue Kapelle zu errichten. Er plante einen schlichten neoromanischen Sichtziegelbau mit einem seitlichen Fassadenturm, Rundbogenfenstern und einem polygonalen Chor. Steinhofer war ein typischer Vertreter des Späthistorimus und sein Entwurf wirkt in seinem malerischen Erscheinungsbild wie einem der Musterbücher für „Einfache kleine Landkirchen“ entnommen, die im 19. Jhd. vielfach publiziert wurden. Die Kapelle wurde dem Herz Jesu geweiht und an der Giebelfassade verweist das Tympanonrelief mit der Halbfigur Christi auf diese Dedikation.
Anders als in Wien wurden in Niederösterreich im 19. Jahrhundert vergleichsweise wenige Kirchen in Sichtziegelbauweise errichtet. (mehr hier) Carl Steinhofer orientierte sich allerdings mit diesem Kapellenbau unverkennbar an den Wiener Sakralbauten von Friedrich Schmidt, dem bedeutendsten Kirchenerbauer seiner Zeit. Diese Vorbilder aufgreifend, errichtete er auch in anderen Orten der Donaumonarchie Backsteinkirchen, darunter die wesentlich aufwändiger gestaltete Herz-Jesu Kirche in Stockern (1907–1908).