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Aktuelle Seite: Guntramsdorf-Hl. Jakobus
NÖS-88
Bez. Mödling

Josef Vytiska

1949-1950

Die erste urkundliche Erwähnung von Guntramsdorf stammt aus dem frühen 12. Jahrhundert. Um 1100 wurde eine kleine romanische Steinkirche errichtet und bereits im 13. Jahrhundert wurde Guntramsdorf zur Pfarre erhoben. Während der Reformationszeit wurde die Pfarre von den Protestanten übernommen, nach deren Vertreibung blieb die Pfarre jahrelang unbesetzt. 1796 wurde eine neue Kirche errichtet. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie durch Bombentreffer zerstört und der heutige Pfarrsaal, der aus Barackenelementen eines auf Guntramsdorfer Gemeindegebiet gelegenen Konzentrationslagers erbaut wurde, diente als Notkirche, bis 1949 Josef Vytiska mit einem Neubau beauftragt wurde, wobei der erstaunlicherweise erhalten gebliebene Turm des Vorgängerbaus miteinbezogen werden sollte.

Vytiskas Entwurf zeigt einen typischen vorkonziliaren Kirchenbau. Er griff die modernen Ideen der liturgischen Erneuerungen der 1920er Jahre auf, ließ jedoch gleichzeitig traditionelle Formulierungen in den modernen Neubau einfließen. (mehr hier)

Er plante die Kirche zwar als konventionelle dreischiffige Basilika, verbreiterte jedoch das Mittelschiff zu einem modernen Saalraum, in dem der rechteckige Altarraum integriert ist. Durch dessen Anhebung auf ein Stufenpodest erinnert er dann doch wieder an die früher übliche Trennung des Priesters von den Gläubigen. Und mit der Gliederung der Seitenwände durch Pilaster mit kapitellartigen Abschlüssen und mächtigen, hölzernen Deckenbalken auf Konsolen bringt Vytiska wiederum traditionelle Elemente in den modernen, dekorlosen Innenraum ein.

Auch bei den Seitenschiffen ist die ambivalente Haltung des Architekten erkennbar. Sie sind noch im konventionellen Sinn mit Seitenaltären ausgestattet. Da jedoch Seitenschiffe per se die Idee eines einheitlichen Versammlungsraums konterkarieren, hat er ihnen die Funktion von Gängen zugewiesen, indem er sie auf eine unscheinbare Höhe reduzierte und die langen Wandbänke zum Hauptraum hin orientierte.

An der Fassade nahm Vytiska eine bemerkenswert subtile „Modernisierung“ des traditionellen Portikusmotivs vor, indem er den üblicherweise als Vorbau ausgebildeten Eingang als tiefe Nische mit zwei modifizierten dorischen Säulen gleichsam nach innen stülpt. Drei Portale führen in den Vorraum der Kirche, von dem man links zum Turm des Vorgängerbaus und rechts zu einer apsisartig angebauten Taufkapelle gelangt.

Die Zusammenführung traditioneller und moderner Elemente im Innenraum wiederholt sich schlüssig am Außenbau durch die Verbindung des Neubaus mit dem Turm des Vorgängerbaus. Auf diese Weise fügt sich der Kirchenbau auch harmonisch in das Ortsbild ein, das von niederen Häuschen aus dem 19. Jahrhundert und modernen, mehrgeschossigen Wohnbauten geprägt ist.

Die steigende Bevölkerungszahl bedingte, dass bereits rund 10 Jahre später eine weitere Kirche in dem neu entstandenen Ortsteil Neu-Guntramsdorf errichtet wurde.

20. Jhd.