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Aktuelle Seite: St. Pölten-Neuapostolische Kirche
NÖS-240
Stadt St. Pölten

Gottfried Haselmeyer / Heinz Frühwald

2002-2003

Die Neuapostolische Kirche ist eine Religionsgemeinschaft, die im 19. Jahrhundert in Europa entstanden ist. Sie griff die Bedeutung des urchristlichen Apostelamts wieder auf und glaubt, dass Apostel auch heute noch von Gott eingesetzt sind, um die Gläubigen auf die Wiederkunft Jesu Christi vorzubereiten. Sie wurde in Österreich 1975 gesetzlich anerkannt und hat rund 5000 Mitglieder (2023).

Im Jahr 2002 beschloss die Neuapostolische Gemeinde Österreich in St. Pölten eine Kirche zu errichten, mit deren Planung die Architekten Gottfried Haselmeyer und Heinz Frühwald beauftragt wurden. Wie Haselmeyer erläutert, folgen „die Entwurfsüberlegungen […] den Intentionen der Kirchengemeinde, auf Repräsentation wird vollkommen verzichtet. Die Formgebung leitet sich konsequent von kirchlich liturgischen Inhalten ab, Glocke und Turm sucht man vergeblich.“

Der Baukörper setzt sich aus drei flach gedeckten Kuben zusammen, die entsprechend ihrer funktionalen Wertigkeit höhenmäßig gestaffelt sind. Der mittlere Gebäudeteil enthält den tief eingeschnittenen Eingangsbereich, der in das breite Foyer führt, das an der gegenüberliegenden Seite durch eine Glaswand abgeschlossen ist . An der linken Seite, im niedersten Bauteil befinden sich ein Büro, eine Teeküche sowie der Sanitärblock. Vom Foyer führt eine Stiege in den darüberliegenden Kinder- und Jugendraum, der auch als Besprechungsraum dient.

Auf der rechten Seite des Foyers befindet sich der Eingang in den 7 Meter hohen, rechteckigen Kirchenraum. Ein schmales hohes Lichtband sowie das internationale Logo der Neuapostolischen Kirche kennzeichnen den Sakralraum an der ansonsten fensterlosen Außenfassade.

Der Innenraum ist sehr schlicht gestaltet. Die Eingangsseite ist mit hellen Holzpaneelen verkleidet, im oberen Bereich stellen große Glasflächen eine optische Verbindung zum angrenzenden Besprechungsraum her. Das neuapostolische Logo über dem rot gefärbten Holzaltar bildet den einzigen dekorativen Akzent an den weiß gestrichenen Wänden.

Für die Belichtung des Raums wählten die Architekten eine interessante Konstruktion, wie Haselmeyer erläutert: „Eine ‘schwebende Decke‘ abstrahiert den Kirchenraum und verliert sich durch Glasspiegelung in der Unendlichkeit. Licht dringt von oben ein und flutet die weißen Wände, ohne dass die Quelle des Lichtes sichtbar in Erscheinung tritt.“

Diese ruhige kontemplative Lichtwirkung erzielten die Architekten, indem sie die Decke an drei Seiten des Kirchenraums um rund 90 cm abhängten und sie mit einem umlaufenden Glasband versahen. Durch dieses Glasband fällt das Licht durch das darüber liegende Glasdach indirekt in den Innenraum. Innerhalb der Deckenkonstruktion angebrachte Lampen ersetzen bei Bedarf das Tageslicht.

An der linken Seitenwand des Kirchenraums gestalteten die Architekten eine dreieckige Nische, die einerseits eine Verbindung zur Sakristei herstellt und andererseits für die Aufstellung der Orgel vorgesehen war. Heute ist die rot gestrichene Orgel neben dem Altar platziert. Die ursprünglichen Holzbänke wurden durch rote Plastiksessel ersetzt und gemeinsam mit dem roten Altar und der roten Orgel entstand eine heitere Raumatmosphäre.

21. Jhd.