3100 St. Pölten
Josefstraße 90
Kirche
1970
Pfarrzentrum
1993
Neugstaltung Innenraum
2014-2016
Die rege Bautätigkeit im Süden der Altstadt St. Pölten und das damit einhergehende Bevölkerungswachstum veranlasste Bischof Dr. Franz Zach, in der Josefstraße südlich der bereits bestehenden Pfarre St. Josef, eine neue Pfarre zu errichten und inmitten einer Anlage von Wohnhochhäusern ein Seelsorgezentrum zu begründen.
Um eine schnelle seelsorgliche Betreuung zu gewährleisten, wurde nach den Plänen von R. Zöch und dem Architekten und Bauunternehmer Julius Eberhardt zunächst ein Provisorium aus Betonfertigteilen erbaut, das explizit auch für außerpfarrliche Veranstaltung genutzt werden sollte. Vielleicht deshalb wurde dem aus verschieden hohen Kuben zusammengesetzten Baukörper das Erscheinungsbild eines profanen Gebäudes verliehen – nur die Beschriftung kennzeichnet ihn als Sakralbau, ein freistehender Glockenträger wurde in einiger Entfernung aufgestellt.
Der Innenraum gliedert sich in einen Vorraum, einen annähernd quadratischen Mehrzweckraum und eine Wochentagskapelle, die bei profanen Veranstaltungen durch eine mobile Holzwand geschlossen werden konnte. Robert Herfert schuf die Betonreliefs mit den Themen Apokalypse und Wiederkunft Christi.
1990-93 wurde von dem St. Pöltner Architekten Wolfgang Zehetner, Dombaumeister der Stephanskirche in Wien, direkt an den Kirchenbau ein Pfarrzentrum angefügt. Gleichsam als Gegenstück zu dem nüchternen Betonbau, entwarf Zehetner einen konventionellen, verputzten Ziegelbau, der durch seine Gliederungen, die traditionellen Giebeldächer, die Fenster mit einfachen Sprossenkreuzen sowie einen halbrunden Erker mit Blumenkistchen an dörfliche Beschaulichkeit erinnert. Auf dem weitläufigen Kirchenvorplatz weist eine überlebensgroße Statue des hl. Johannes Kapistran auf das Patrozinium der Kirche hin. Die Statue sowie ein Springbrunnen mit spielenden Kindern wurden 1993 von Friedrich Schneider geschaffen.
Die Kirche ist ein Provisorium geblieben und befand sich Anfang des 21. Jahrhunderts bereits in einem sehr desolaten Zustand. 2015 wurde daher beschlossen, das Gebäude zu sanieren und den Innenraum laut Pfarrer Schabasser von einem „hallenartigen“ Mehrzweckraum in eine Zentralraumkirche mit „freundlicher Atmosphäre“ umzugestalten.
Im Sinne des Vatikanischen Konzils (mehr hier) verlegte der Architekt Martin Bernegger den Altarbereich in die Mitte des Hauptraums und betonte den zentralisierenden Grundgedanken durch die Kreisform, die er dem Mehrzweckbau mehrfach einschrieb: Der Altarbereich ist durch einen runden, in den Eichenholzfußboden eingefügten Steinfußboden gekennzeichnet und die Einrichtung des Altarraums ist kreisförmig angeordnet. Darüber wiederholt die Decke die Kreisfläche des Fußbodens. Dieses Segment ist wiederum aus einer großen runden Scheibe ausgeschnitten, die unter der Decke abgehängt montiert ist. Schließlich zeigt sich die Kreisform auch in der Anordnung der Sessel rund um den Altar.
Eine Besonderheit ist der ca. 2.500kg schwere Altar. Er wurde von der Glaswerkstätte Stift Schlierbach nach dem Entwurf des oberösterreichischen Künstlers Adolf Boxleitner aus mehr als hundert 10 mm dicken Glasplatten hergestellt. Nach der gleichen Methode entstand auch der 450kg schwere Glasambo.
Auch die Werktagskapelle wurde neu gestaltet. An der Rückwand wurde in der Breite des Raumes ein Fenster ausgebrochen, das nicht nur einen hell erleuchteten Innenraum bewirkt, sondern auch die Verbindung zur Natur herstellt. Die hözerne Trennwand wurde durch eine mobile Glaswand ersetzt und vom damaligen Pfarrer Anton Floh mit Motiven aus dem Sonnengesang des Hl. Franziskus bemalt. Die Betonreliefs von Robert Herfert behalten weiterhin ihre prägende Raumwirkung. Darunter sind die Kreuzwegbilder angeordnet, die Pfarrer Floh als Linoldrucke ausführte.
Da der Hauptraum nicht exakt quadratisch erbaut wurde, erstreckt sich die große runde Deckenscheibe zu einem kleinen Teil in den Kapellenraum. Man kann das als Notlösung ansehen - oder als Verbindungselement der beiden Räume interpretieren. Der querrechteckige Raum selbst ist symmetrisch in den zentralen Altarbereich und die zu beiden Seiten angeordneten Bankreihen gegliedert. Diese Anordnung überzeugt zwar durch ihre ästhetische Qualität, erweist sich für die Messfeier jedoch als nicht ganz unproblematisch.
Die Beleuchtungskörper sowie die Verkleidung der Tabernakel- und Taufbeckensockel mit geätzten Glasplatten wurden vom Künstler Boxleiter hergestellt. Der schlichte Altartisch aus hellem Marmor bildet einen deutlichen Kontrast zur aufwändigen zeitgenössischen Gestaltungssprache.

Eingang in die Kirche

Die Rückseite

Die Kirche vor der Umgestaltung

Hauptraum, Blick zum Altar

Blick zum Eingang

Die Werktagskapelle

Das Pfarrzentrum