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Aktuelle Seite: Hollenstein-Ortskapelle
NÖS-116
Bez. Hollabrunn

Clemens Holzmeister

1936

Die kleine, schon im Mittelalter entstandene Ansiedlung Hollenstein wurde 1850 eine selbständige Gemeinde, 1966 jedoch gemeinsam mit sieben rundumliegenden Orten in die Gemeinde Ziersdorf eingegliedert, die sich durch die 1879 erfolge Errichtung eines Bahnhofs der Kaiser Franz-Josefs-Bahn zum wirtschaftlichen Zentrum dieser Gegend entwickelt hatte.

Die pfarrliche Betreuung der rund 100 Einwohner erfolgte vom Nachbarort Gettsdorf. 1936 spendete Anton Kein, der in Hollenstein eine Ziegelei betrieb, einen Bauplatz für die Errichtung einer Kapelle im Ort und im gleichen Jahr wurde das kleine Kirchlein von dem Ziersdorfer Maurermeister Glaser errichtet.

Überraschenderweise stammen die Pläne von dem Architekten Clemens Holzmeister, der damals bereits im In- uns Ausland ein bekannter und vielbeschäftigter Architekt war, und insbesondere im Kirchenbau große Bedeutung erlangte, wobei auch zahlreiche Kapellen zu seinem Repertoire gehörten.

Holzmeister entwarf einen rund 5 × 7 Meter großen, verputzten Rechteckbau mit einer halbrunden Apsis sowie einem etwa 8 Meter hohen Turm aus grob behauenen Granitsteinen, der eine Öffnung für die Glocke aufweist. Einige der Granitquader greifen gleichsam wie Klammern vom Turm auf den gelb gefärbelten Baukörper über und zieren zudem die rechte Eckkante. Im schlicht ausgestatteten Innenraum trennt ein flacher Triumphbogen den Hauptraum vom Altarbereich.

Wie Holzmeister zum Auftrag für den Kapellenbau gelangte, ist nicht bekannt. Offensichtlich setzte er sich jedoch kaum mit den örtlichen Gegebenheiten auseinander. Seit dem späten 18. Jahrhundert prägten in der lehmreichen Region um Hollabrunn zahlreiche Ziegelwerke nicht nur das Landschaftsbild, sondern auch das wirtschaftliche und soziale Leben der Bevölkerung. Trotzdem wählte Holzmeister nicht das ortsübliche und den Bewohnern vertrauten Baumaterial Ziegel, sondern bevorzugte den ortsfremden Granitstein, um dem Gebäude eine individuelle Signifikanz zu verleihen. Mit dieser Wahl ruft der Architekt jedoch eher Assoziationen an ein malerisches Bergkirchlein hervor. Durch das Fehlen jeglichen regionalen Bezugs, erscheint diese Kapelle in der ebenen Landschaft von Hollenstein daher wie ein Fremdkörper – auch wenn sie ohne Zweifel eine hohe ästhetische Qualität aufweist.

In der Kapelle werden nur selten Messen gelesen. Regelmäßige Gottesdienste finden in der Pfarrkirche Ziersdorf statt, für die Sepp Müller, ein Schüler von Clemens Holzmeister, einen interessanten Zubau errichtete.

21. Jhd.