3133 Gem. Traismauer
Stollhofenerstraße bei 29
Bildhauer
1921
Der enorme Verlust an Menschenleben im Ersten Weltkrieg hatte nahezu jede Familie und Dorfgemeinschaft unmittelbar betroffen und es entstanden insbesondere in den frühen 1920er Jahren zahlreiche Kriegerdenkmäler zum Gedenken an die Gefallenen.
Je nach finanziellen Möglichkeiten wurde deren Ausführung Bildhauern oder/und Architekten übertragen, wurden kostengünstige Kunststeinabgüsse erworben oder nur einfache Tafeln mit den Namen der Gefallenen zu einem Denkmal arrangiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden entsprechende Namenstafeln hinzugefügt.
Der große Bedarf an entsprechenden Produkten veranlasste zahlreiche Bildhauer, in ihren Werkstätten kostengünstigen Kunststeinabgüsse herzustellen. Eine der bekanntesten Bildhauerwerkstätten war die in St. Pölten tätige Fa. Slabe, die eine Stele mit einer Soldatenfigur anbot und gleichzeitig auch einen Entwurf für deren Aufstellung auf einem mehrfach gestuften Sockel bereitstellte. (mehr hier)
Im Jahr 1921 beschloss der „Heimkehrerbund Stollhofen-Frauendorf-Hilpersdorf“ den Gefallenen ihrer Gemeinden in Stollhofen ein Denkmal zu errichten.
Mit Hilfe von Spenden der Bewohner der drei kleinen, benachbarten Orte, die heute zur Gemeinde Traismauer gehören, wurde von der St. Pöltner Firma Slabe eine kostengünstige Kunststeinstele mit einer Soldatenfigur erworben und entsprechend dem Entwurf Slabes auf einem Sockel aufgesetzt. An dessen Vorderseite wurde eine Marmortafel mit den Namen der Gefallenen der drei Orte montiert und dessen Seitenwände mit Lorbeerkränzen aus Kunststein geschmückt.
Im Unterschied zu Slabes Modell erhielt die Stele zusätzlich einen Aufbau in Form einer vierteiligen Kuppel, die von einem plastisch ausgeführten Flammenbündel bekrönt wird, wodurch dem Denkmal eine individuelle Gestaltung verliehen wurde.
Am 22. Mai 1921 erfolgte die Enthüllung und feierliche Weihe des an der Längswand der Pfarrkirche Hl. Martin errichteten Denkmals. In der St. Pöltner Zeitung heißt es, dass „der Krieger wie im Gebet versunken seinen Blick der auf der Vorderseite des Sockels angebrachten schwarzen Tafel zuwendet, auf welcher die Namen der Gefallenen mit Goldbronze eingraviert sind.“
Anlässlich einer Restaurierung erhielt allerdings die Vorderseite des Sockels eine neue Tafel mit der Inschrift:
DEN TOTEN ZUR EHR
DEN LEBENDEN ZUR MAHNUNG
NIE WIEDER KRIEG
FRIEDE IN FREIHEIT
An den Seitenwänden des Sockels wurden die Lorbeerkränze durch Namenstafeln der Gefallenen beider Weltkriege ersetzt.
Interessant ist, dass die gleiche Variante mit der Kuppel nur fünf Tage zuvor in Gansbach geweiht wurde. Spekulation muss bleiben, ob diese Errichtungsvariante ebenfalls von der Firma Slabe angeboten wurde, oder ob in den beiden Orten der selbe Baumeister tätig war, der die Kuppelvariante entwarf.